Die erste urkundliche Erwähnung der Orte Groß- und Klein- Räschen ist auf den 20. Dezember 1370 datiert. Die beiden Orte bestanden schon damals nebeneinander und werden in Lateinisch mit "redschin magnum et parvum"erwähnt. Leider wurde dieses Dokument während des 2. Weltkrieges zerstört, so daß die nächstälteste Urkunde erst wieder auf den 21. Juni 1421 datiert ist.

Die erste Urkundenerwähnung

Beide Dörfer gehörten schon seit dem Zeitpunkt ihrer ersten Erwähnung zur Herrschaft Senftenberg, dem späteren sächsischen Amt und dies sollte noch bis zum Jahre 1815 so anhalten. Groß- Räschen ist nach heutigem Erkenntnisstand das jüngere der beiden Dörfer und erstreckte sich vermutlich von der Südseite der Kirchstraße bis zum Weg am Spring. Klein- Räschen ist heute noch an der Sackgassenform in der Lindenstraße zu erkennen.

Die beiden Gemeinden hatten jahrhundertelang eine fast unveränderte Struktur und damit eine äußerst langsame Aufwärtsentwicklung. Erst in den letzten beiden Jahrhunderten wuchsen beide Orte aufgrund der Industrialisierung zusammen.

Durch die Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges und von drei großen Bränden 1662, 1725 und 1781 wird das Dorf   Großräschen stark verändert. Die alte Dorfstruktur wurde dadurch das erste mal durchbrochen und somit stand einer Erweiterung von Groß- Räschen nichts mehr im Wege. Der heutige Markt ist in der damaligen Zeit entstanden.

Kurmärker um 1960
Seit 1540 finden Zusammenkünfte im "Krug", dem heutigen Kurmärker statt, dessen Bau seit dem Neuaufbau nach dem Brand von 1781 mit dem jetzigen identisch ist.
Volkshaus um 1975

In den 30er und 40 er Jahren kam es zu einer beginnenden Auflösung von Hufengütern, eine Begleiterscheinung der preußischen Agrarreform. Noch bis ins 19. Jahrhundert war die Agrarwirtschaft der einzige Industriefaktor des Dorfes. Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden 2 Feldziegeleien. Am Lehmgraben stieß man auf ein Braunkohlenvorkommen, welches seit 1864 in der Grube "Viktoria" zunächst in einfacher Weise ausgebeutet wurde. Dieses Vorkommen war bedeutend für die noch rein handwerklich arbeitenden Betriebe. Fünf Jahre später wurde die Glasfabrik "Almhütte" gegründet und daneben bildeten die extra errichteten Arbeiterwohnhäuser einen besonderen Ortsteil von Klein- Räschen.

Grube Victoria

Inbetriebnahme der Grube Victoria in Groß- Räschen im Jahre 1864


1869 Gründung der Almahütte
Almahütte


1871 gründete die Chemische Fabrik Kunheim aus Berlin das Bergwerk Ilse. Die Ilse- Bergbau AG brachte den Werksiedlungsbau in Groß- Räschen zu einer großen Blüte. Im Umkreis des Bergwerkes entstanden eine Vielzahl von werkseigenen Wohnsiedlungen, so zum Beispiel die Anlage "Marga" bei Brieske und auch Bückgen - Großräschen Süd. Es folgte daraufhin ein regelrechter Boom und die Einwohnerzahl der Gemeinde wuchs durch die neuen Arbeitersiedlungen beständig. Ab dem Jahre 1874 wurde der Amtsbezirk Räschen eingerichtet, zu dem Groß- Räschen, Klein- Räschen, Bückgen, Schmogro, Dörrwalde und Woschkow gehörten.

Am 01.05.1874 eröffnete die Eisenbahngesellschaft Strousberg die Linie Lübbenau - Kamenz und daraufhin wurde die Kaiserliche Postagentur im Stationsgebäude der Eisenbahn Großräschen eingerichtet.
Bahnhof


In den darauffolgenden zwei Jahrzehnten verändert sich das Stadtbild der Gemeinde Räschen grundlegend. Die Schule zu Klein- Räschen (heute Grundschule II) wird 1888  eröffnet. Im selben Jahr wird der Hugoschacht in Betrieb genommen und kurz darauf das Glashüttenwerk "Magdalenenhütte". 1891 entsteht die Anhalter Kolonie, ein Postamt wird erbaut und 1892 die jetzige Grundschule I eröffnet.

Postkartenansicht von 1900
Um 1900 sieht dann die neu ausgebaute Ortsmitte wie folgt aus
Postkartenansicht von 1900

Postkartenansicht von 1900


Im Jahre 1900 wurde in Großräschen die erste Straßenpflasterung vorgenommen und mit der Fertigstellung der Gasanstalt 1905/06 kam es dann zu einer flächenmäßigen Einrichtung einer Gas-, Haus und Straßenbeleuchtung.

In den darauffolgenden Jahren werden die evangelische Kirche in Bückgen, 1909, die katholische Kirche, 1912/13 und die evangelische Kirche am Markt, 1916, eingeweiht.

Nach dem 1. Weltkrieg, in dem 236 Soldaten aus den Amtsbereich Räschen gefallen sind, wird in Großräschen das elektrische Licht eingeführt, zum Teil auch als Straßenbeleuchtung.

Am 01.04.1925 wird dann endlich die Eingemeindung von Groß- und Klein- Räschen vollzogen. Groß- Räschen hat zu diesem Zeitpunkt 2.817 und Klein- Räschen 3.893 Einwohner. In den nun folgenden "goldenen Zwanziger Jahren" entstehen die Gemeindesiedlung (Kant- und Richtstraße), die Viktoriasiedlung (Feld-, Linden-, Knie und Ringstraße), die Bergmannsheimstätten (Mühlenstraße links), die Kriegsgeschädigtenhäuser (K.- Kollwitz- Straße) und die GEWOBA.

Leider ist über die Zeit während des 2. Weltkrieges in Großräschen nicht viel bekannt. Am 17.03.1945 kam es jedoch zu einem Bombenangriff auf Großräschen. Die Brikettfabrik "Viktoria I" (rechts), die Sauerstoffabrik der "Ilse", die Schumannsche Villa und einige andere Gebäude erleiden dabei Totalschaden. In den Totenbüchern der Gemeinden werden 28 Tote registriert.
Brikettfabrik Victoria

 

Am 10.10.1946 weilte Wilhelm Pieck, der spätere Präsident der DDR, in Großräschen. Im selben Jahr kommt es zur Eingemeindung von Bückgen mit der Grube Ilse und Schmogro, die Gemeinde hat jetzt 12.108 Einwohner.

Nachdem der Rat der Gemeinde eine Ausschreibung zur Gestaltung eines neuen Gemeindewappens veranstaltete, wurde dieses aus einer Vielzahl von Einsendungen gewählt. Es stellt die 4 Industriezweige, die Großräschen über die Jahrzehnte bekannt machte, dar. Zum einen die Landwirtschaft, den Bergbau und zum anderen die Glasmacherei und Klinkerwerke.

Nach der Gründung der DDR wurde Großräschen durch verschiedene neue Gebäude ein neues Gesicht verpaßt. Im Zentrum wird ein Ehrenfriedhof für die gefallenen russischen Soldaten eingerichtet, das Haus der Jugend öffnet seine Pforten, die Poliklinik wird erbaut und das Lehrkombinat, das heutige Gymnasium. nimmt seinen Betrieb auf. 1948 entsteht das Gleichrichterwerk aus dem ehemaligen AEG Werk.

1965 wird Großräschen das Stadtrecht verliehen. Die Stadt hat mittlerweile 12.500 Einwohner und eine Fläche von 21,5 Quadratkilometer.

600 Jahr Feier
Vom 10.- 19.September 1971 feierte die Stadt ihr 600jähriges Bestehen. Obwohl die erste Erwähnung der Stadt schon 1 Jahr vorher stattfand, gab es noch 600 Jahre danach Diskussionen über das zu benennende Datum. In der ersten Stadtchronik von 1996 stellte Fritz Bönisch vom Chronikbeirat fest, daß die geschichtliche Überlieferung mit der urkundlichen Erwähnung von Groß- und Klein- Räschen am 20. Dezember 1370 einsetzt.

In den 80er Jahren beginnt dann eines der schwärzesten Kapitel der Stadtgeschichte. Man entschloß sich den weitaus größten Teil der Großräschener Stadtgeschichte wegzubaggern. Als erstes wurde die Verbindungsstraße zwischen Großräschen und Senftenberg (F 96) geschlossen. 1988/89 wird ein gesamter Ortsteil, Großräschen-Süd (Gemeinde Bückgen) verlegt und die Umsiedlung von 4100 Einwohnern, wegen Überbaggerung durch den Tagebau Meuro, eingeleitet. Für die umgesiedelten Menschen wurde extra ein Neubaugebiet in Großräschen Nord errichtet. Leider kam die Wende, um die Abbaggerung  zu verhindern, zu spät und fraglich ist auch, ob es eine andere Entscheidung in Bezug auf die Braunkohleförderung gegeben hätte, denn im Tagebau Meuro wird derzeit noch immer Kohle gefördert.

Im Jahre 1992 wird das Freizeit- und Erholungszentrum eröffnet.

Zwei Jahre später wird das Gewerbegebiet "Am Räschener Laug" an der B96 eingeweiht.

Am 28.06.1995 wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, um ein neues Wappen für den gesamten Amtsbereich Großräschen zu finden. Das auf der linken Seite zu sehende 4 teilige Wappen wurde dann vom Amtsausschuß unter vielen Einsendungen ausgewählt.

Quellenmaterial:

"1370 - 1996" Großräschen -eine erste Chronik-, Stadtverwaltung Großräschen, 1996

Wolfgang Joswig: Grube Ilse, Zu neuen Ufern im Fürst-Pückler-Land, Baer Verlag, 1998


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